1/17/2010

die welt mit nach hause nehmen und fasten


ein buch, das mich mit lichtgeschwindigkeit ins nirvana katapultierte, mich aufschreien ließ und mich zwang, während dem lesen, manisch jede fünfte zeile zu unterstreichen!

"Wenn er nach zwanzig Seiten merkt, daß er in der Wildnis seiner eigenen Alpträume gelandet ist, einem Dschungel mit exotischen Stimmen und phosphoreszierenden Tieraugen, dann wird es zu spät sein. Er wird den Lockrufen folgen, sich freiwillig tiefer ins Dickicht verstricken und schließlich erwachen als einer, der mehr von Todesschlaf und Liebestraum, Horrortrip und (Selbst)Zerstörungslust versteht als je vorher: denn er hat "Nachtgewächs" gelesen.
Der "Baron" Felix, Jude und Waisenkind, findet und heiratet Robin, ein fast stummes, tier- und knabenhaftes Wesen, die Gottes Wundertüte immer verkehrt herum gehalten hat; kaum daß sie "seinen Sohn" geboren hat, verläßt sie ihn zugunsten der jungen Nora Flood, wird aber von der Intrigantin Jenny verführt; das gesamte Geschehen wird beobachtet und kommentiert von dem skurrilen Doktor Matthew O'Connor. Miteinander reagierend, entfachen diese Ingredienzien einen intellektuellen, poetischen und physischen Exzeß. Djuna Barnes erzählt nicht. Sie erhebt einen Gesang, oft einen Wechselgesang, dominiert von den dunkelfunkelnden Arien des Doktors, der sich - "Ich sage immer: Erzählt der Welt ihre Geschichte!" - lügend und wahrsagend zu Tode redet und säuft, tröstender Provokateur und wütendes Klageweib.
Daß das Leben die Erlaubnis ist, den Tod kennenzulernen, und die Liebe die Suche nach einer sicheren Folter, weiß man nach der Lektüre von "Nightwood" genauso, wie daß ein Pariser Pissoir einen runden Rücken und hundert Beine hat. Barnes zwingt zarte Beobachtung und hyperbolische Reflexion zu äußerster Genauigkeit zusammen und vergrößert durch dieses Glas die Verkehrung, die Perversion, die zerklüftete Unterseite der menschlichen Tagesoberfläche.
Felix' Enttäuschung: die Verengung im Fluß der Gunst, durch die das, was wir lieben müssen, zu dem gemacht wird, was wir lieben können. Noras Liebesleid: Des Eifersüchtigen Herz kennt die beste, die wahrhaft betriedigende Liebe: im Bett des anderen, wo der Rivale für die Unvollkommenheit des Liebenden aufkommt. Phantasie reitet weit, um dieses Duell nicht zu versäumen. Angst: wenn man sich am Boden krümmt und die Augen über das Handgelenk stieren, voller Qual, die sie abzuwehren suchen. Djuna Barnes weiß, wovon sie spricht, und macht den Leser in seiner Verwirrung zum Wissenden. Wer ihren barocken Predigten folgt, versteht: Ein Bild ist die Rast des Geistes zwischen zwei Ungewißheiten."
Dorothea Dieckmann

fasten.
nachdem ich mein macbook mit cola überschüttet hatte, wollte ich mir unbedingt das büßerhemd überziehen und als selbstbestrafung meiner grenzenlosen dummheit beschloss ich auch zu fasten. tag eins sah folgendermaßen aus: 19 uhr, bis dahin keine zigarette, kein essen. theresa wirft sich ihren mantel über und rennt zum nächsten dönerladen und raucht danach erst einmal eine schachtel marlboro. mir mangelt es an disziplin und dessen war ich mir von anfang an bewusst. hut ab für dich! ich vergifte lieber doch weiterhin meinen körper mit alkohol, zigaretten und fast food.

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